Solarthermie lohnt sich wahrscheinlich nie!

Die Stadtwerke Düsseldorf (SWDAG) hat einen youtube-Account. Dort gibt es neben einigen Kochvideos auch ein Video über die eigene Müllverbrennungsanlage. In diesem Video wird ein „Rolf Schreiber“ genannt.

Obwohl wir den selben Nachnamen besitzen, ist mir von einer Verwandtschaft nichts bekannt. In diesem Video über die Müllverbrennungsanlage ist die Rede von „wirtschaftlich und umweltschonend“ die Rede. Weiterhin wird die Müllverbrennungsanlage  als „eine saubere Sache“ bezeichnet.

Vielleicht würde dies nicht jeder so sehen.

Weiterhin gibt es dort ein Video über „Energiespartipp Solarthermie“. Warum sollte gerade die Stadtwerke, also ein Unternehmen das mit der Lieferung von Energie Gewinne produziert, seinen Kunden eine Solarthermie empfehlen, um damit Energie einzusparen, was ja die Gewinne des Unternehmens schmälern würde? Diese Frage sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man sich das Video „Energiespartipp Solarthermie“ ansieht.

Ohne auf die Widersprüche in dem Video weiter einzugehen, sollte man sich jetzt das Video von fernsehkritik.tv ansehen.

Nun ergibt sich ein Problem. Die Videos sind komplett gegensätzlich. Einmal wird die Solarthermie als „Energiespartipp“ angepriesen, und dann sieht man einen Mann der nicht die ihm angeblich angepriesenen 60% Energie einspart, sondern höchstens 6,1%. Nun ist es natürlich ein Unterschied ob man nur ca. 61 € im Jahr einspart, oder ob man 600 € im Jahr einspart. Mit 600 € jährlich könnte man eine Solarthermie-Anlage tatsächlich wirtschaftlich betreiben. Mit 61 € klappt das aber nicht.

Verstehen Sie jetzt, weshalb ein Energieunternehmen ein Interesse hat, seine Kunden eine Solarthermie-Anlage als Energiespartipp zu verkaufen? Gibt der Kunde viel Geld aus, für eine wenig effiziente Solarthermie-Anlage, wird er nach wie vor viel Geld an das Energieunternehmen abdrücken dürfen!

Im Video des SWDAG wird gesagt:

1. Vorteile, ich kann im Sommer quasi mein Brauchwasser über diese Solarthermie-Anlage erzeugen.

2. Ich kann hier wirtschaftlich mein Wasser erwärmen.

3. …erwärmen das Wasser im Frischwasserspeicher im Keller, das dann zum Duschen und Wasser verwendet werden kann. Auch das Wasser für die Heizung kann durch eine Solarthermie-Anlage erwärmt werden.

4. So kann Rolf Jacobs etwa die Hälfte seines Warmwasserverbrauchs im Jahr durch die Solarthermie-Anlage abdecken.

5. Also ich hab die jetzt, im ersten Jahr, wo ich die betrieben hab, ungefähr 1000 KW erspart.

6. Der Experte sagt, eine Solaranlage nachzurüsten lohnt sich. „Unbedingt. Im Neubau ist es schon Pflicht. …“.

7. Der wird typischerweise mit Solarthermischen-Anlagen realisiert.

Zu 1. Sicherlich meinte der Sprecher nicht, dass er mit der Solarthermie Wasser oder Brauchwasser erzeugen kann. An solchen offensichtlichen Versprechern wollen wir uns hier nicht aufhängen. Vermutlich meinte er, dass er Brauchwasser über diese Solarthermie-Anlage erwärmen könnte. Viel wichtiger wäre die Begriffserklärung, was er/man unter Brauchwasser versteht.

Zu 2.  Was ist mit „wirtschaftlich“ gemeint. Sollte damit gemeint sein, er könnte mit der eingesparten Energie jemals die Kosten der Solarthermie einsparen, dann dürfte dieser Mann irren. Das Video von Fernsehkritik.tv legte dies deutlich da.

Zu 3. Man beachte. „Erwärmen das Wasser im Frischwasserspeicher…“ Aber: „Auch das Wasser für die Heizung kann durch eine Solarthermie-Anlage erwärmt werden“.

Also einmal drückt man sich ganz bestimmt aus und sagt, das Wasser wird erwärmt. Bei dem Heizwasser unterlässt man (nicht zufällig) die Bestimmtheit, sondern spricht nur noch vom unbestimmten „kann„. Wann „kann“ das Heizwasser erwärmt werden, im Sommer, wenn keiner die Heizung braucht?

Zu 4. Brauchwasser? Heizwasser? Warmwasserverbrauch? Was ist denn jetzt damit wieder gemeint? In dem anderen Video haben doch Fachleute eines Herstellers vor laufender Kamera vorgerechnet, dass man mit dieser Solarthermie-Anlage maximal 6,1% Energie einsparen könnte. Weshalb sollte dies in Düsseldorf fast 10x höher sein?

Zu 5. Genau Zahlen über den Zeitraum und die Einsparung fehlen. Im 1. Jahr muss nicht unbedingt 12 Monate bedeuten, obwohl man dies wahrscheinlich glauben würde und sollte.  Auch die etwa 1000 KW sind zu unbestimmt. Im August 2011 würden 1000 KW Strom ca. 300 € gekostet haben. Im November 2009, als das Video eingestellt wurde, dürften dies noch etwas weniger gewesen sein.

Im Video wurde nicht gesagt, ob mit der Solarthermie-Anlage evtl. auch gleich der Heizkessel oder die ganze Heizanlage erneuert wurde. Auch wurde nichts über die Kosten der neuen Solarthermie- oder Heizungsanlage gesagt.  Das ist leider das übliche in diesem Bereich. So kann auch nichts gesagt werden, ob die Anlage jemals die Kosten wieder erwirtschaftet. Erfahrungsgemäß schafft dies eine Solarthermie-Anlage nicht.

Zu 6. Der Experte sagt im Video: „Unbedingt“. Wozu er das Wort sagt, ist aber nicht zu sehen. Also welche Frage dem Experten wirklich gestellt wurde, auf die er mit „unbedingt“ antwortete ist nicht zu hören oder zu sehen.

Hätte er auf die Frage: „Lohnt sich eine Solarthermische-Anlage?“, mit „unbedingt“  geantwortet, dann wäre die nachfolgende Argumentation geradezu abenteuerlich.

„Im Neubau ist es schon Pflicht. …“, ist nun wirklich keine aussagefähige Begründung dafür, dass sich eine Solarthermische-Anlage wirtschaftlich rechnen würde.

Zu 7. Das halt ich für Unsinn. Solarthermische-Anlagen erhalten nicht die staatliche Förderungen der Solarvoltaik. Durch das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) rechnet sich die Solarvoltaik für den Betreiber. Weshalb sollte also die Mehrheit auf die nicht wirtschaftliche Solarthermie setzen, wenn man dank EEG mit der Solarvoltaik Geld (wenn auch auf Kosten der Stromkunden) verdienen kann. Tatsächlich werden wesentlich mehr Solarvoltaik-Anlagen installiert als Solarthermische-Anlagen.

Nun ist es an Ihnen zu entscheiden welcher Aussage, welchem Video sie mehr trauen.

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Kommentare zu: "Solarthermie lohnt sich garantiert (nicht)!" (7)

  1. Zu Punkt 5:
    Die Einheit „KW“ (= Kilowatt) wird (von dir) und auch im Video falsch verwendet. „KW“ (= Kilowatt) ist die Leistungseinheit, nicht aber die gelieferte Energiemenge. Es hätte „kWh“ (= Kilowattstunden) im Video gesagt werden müssen. Denn die Solaranlage liefert eine gewisse Menge an Kilowattstunden Nutzenergie. Ein Auto hat auch eine gewisse PS-Zahl bzw. KW-Zahl, und das Auto kann mit dieser vordefinierten Leistung eine bestimmte Strecke in einer bestimmten Zeit (Kilometer pro Stunde = km/h) fahren, was dann die „Nutzenergie“ darstellt.

    • Auch mir kamen Zweifel auf, als ich im Video Kilowatt gehört hatte. da ich mir aber nicht sicher war, habe ich diesen Punkt nicht thematisiert.

  2. Noch ein Hinweis. Zudem Video der SWDAG existieren auch Kommentare. Diese wurden hier unter einem anderen Beitrag auszugsweise zitiert.
    In den Kommentaren meint einer, dass die angeblich eingesparten etwa 1000 KW eine Einsparung im Jahr von ca. 70 € ergeben.
    In dem Beitrag oben erwähne ich, dass 1000 KW Strom im Jahr ca 300 € gekostet hätte. Das wurde gemacht, um eine nachvollziehbare Summe zu erhalten.

    Natürlich spart man mit einer Solarthermischen Anlage üblicherweise keinen Strom. Meist wird für Heizung und Warmwasser eine andere Energie genutzt. Daher die großen Unterschiede von 70 € im Kommentar und den 300 € Stromkosten im Beitrag.

    Tatsächlich beträgt die Einsparungen durch eine Solarthermische Anlage meist weniger als 100 €. Versuchen sie damit mal die Anschaffungs-, Installation- und Betriebskosten zu decken.

  3. Pavele schrieb:

    Tja, es kommt immer darauf an wieviel Personen einen wieviel Quadratmeter Solarkollektor mit einer wieviel Liter Wasserspeicher läuft, und natürlich wie teuer die Anlage und die Wartung ist. Wenn alles schön berechnet wurde und vernünftig installiert hat sich die Anlage nach ca. 12 Jahren raus. Ich habe dazu meine Diplomarbeit geschrieben, das ist nun über 20 Jahre her, die Anlage steht immer noch und die Einsparung liegt z.Z. bei 430 Euro/a, vorher lag die Einsparung noch höher, aber der Ölpreis sank.

    • Um die Richtigkeit zu überprüfen, reichen die Zahlen natürlich nicht aus. Dazu bräichte man schon mehr Infos.

      Ganz ehrlich, wirklich glaubhaft erscheint mit das nicht. In einer Fernsehsendung war der Hersteller von Solaranlagen. Bei ihren Berechnungen kamen sie auf eine maximale Einsparungsmöglichkeit bei einem Rentnerehepaar von ca. 60 Euro im Jahr. In ihrem Beispiel soll es das siebenfache sein. Da müsste man schon einen sehr, sehr hohen verbrauch haben.

      Natürlich müsste man dazu auch eine entsprechende große Solaranlage haben, die dann auch wieder entsprechend hohe Herstellungskosten hätte.

      Also ich habe da so meine Zweifel.

  4. Jorge schrieb:

    Ich habe eine Solaranlage beim Hauskauf übernommen zusammen mit einer Brennwert Heizungsanlage.
    Ich kann nun nach einem Jahr sagen, dass es sich nicht lohnt.
    Der riesen Tank kommt zwar schnell auf 40 Grad. Jedoch werden dadurch Krankheiten begünstigt. Die Heizungsanlage muss auch im Sommer einmal die Woche auf 70 Grad zu heizen, wegen der Hygiene. Überschüssige Wärme wird zwangsläufig in die Heizung gedrückt. Heizen im Hochsommer.
    Dann verliert der Tank auch ohne Verbrauch von Warmwasser in einer Nacht immer 10 Grad.
    Außerdem verbrauchen die Sensoren und die Heizungsanlage auch nicht unerheblich viel Strom für Pumpen und Steuerungen.
    Werde nun die Solaranlage den Sommer über stilllegen und stattdessen einen Durchlauferhitzer für Warmwasser benutzen. Dann braucht auch die Heizungsanlage nicht mehr im Sommer laufen. Im Winter kann sie dann wieder laufen, wird aber kaum Sonne ernten können.
    Alleine der Betrieb ohne die Anschaffung ist mitunter schon unrentabel.

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